…dann wäre unsere Existenz bedroht

Erstellt: 13. November 2007, 00:00 Uhr

…dann wäre unsere Existenz bedroht Teuer, aber unvermeidlich: der Mühlacker Taxi-Unternehmer Marcel Bacher beim Tanken. Foto: Sadler

Bus- und Taxiunternehmen sowie Speditionen treffen Spritpreise in Rekordhöhe besonders hart

Mühlacker – Auf Rekordhöhe geschnellte Spritpreise treffen alle Autofahrer. Doch besonders Taxi- und Busunternehmen sowie Speditionen stöhnen unter den bedrohlichen Ausgaben. Der Pinacher Spediteur Lauser befürchtet schon, künftig womöglich seinen Fuhrpark verkleinern zu müssen.

VON THOMAS SADLER

„Jetzt ist der Preis explodiert“, sagt Marcel Bacher, Juniorchef des gleichnamigen Mühlacker Taxi-Unternehmens, das 25 mit Diesel betriebene Fahrzeuge, Pkws und Kleinbusse für acht Fahrgäste, im Einsatz hat. Habe der Liter Diesel vor wenigen Monaten noch etwa 1,18 Euro gekostet, liege der Preis jetzt bei knapp 1,35 Euro. Eine Chance, die Differenz weiterzugeben, hat die Firma Bacher nicht. Die Preise für alle Mühlacker Taxi-Unternehmen würden vom Landratsamt Enzkreis festgelegt. Schon nach der letzten Anhebung von 1,50 auf 1,70 Euro pro Kilometer plus 2,50 statt wie vorher 2,10 Euro Grundgebühr sei die Kundenzahl zurückgegangen. „Wenn jetzt wieder erhöht würde, hätten wir noch weniger Fahrgäste“, schwant Bacher. Einen Ausweg sieht er nicht. „Wir fahren halt“, sagt er achselzuckend. „Aber die Gewinnspanne reduziert sich freilich.“ Mit neuem Kraftstoff befüllt werden die Bacher-Fahrzeuge an freien und Marken-Tankstellen. Doch an manchen freien könne nicht auf Rechnung, sondern, was für die Taxi-Firma nicht günstig wäre, nur gegen Barzahlung getankt werden.

 Steigen die Spritpreise weiter, wird es eng. „Wenn’s so weitergeht, könnte unsere Existenz bedroht sein.“ Den Schuldigen an der Kostenexplosion auszumachen, ist nicht einfach. „Alle verdienen daran, egal ob der Staat oder die Ölmultis.“ Ein Grund, vermutet Marcel Bacher, sei der Streik der Lokführer. Da werde jetzt ausgenutzt, dass viele Bahnpendler aufs Auto umsteigen.

 

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Mühlacker -  07.04.2020
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Wenn das Taxi zur Sicherheitszone wird: Mit diesen Maßnahmen meistert die Beförderungsbranche Corona

Mühlacker/Enzkreis/Pforzheim. Vor allem an den Supermarktkassen zählen sie in der Corona-Krise längst zur Standardausrüstung. Die Rede ist von den oft mächtigen Plexiglas-Konstruktionen, die Mitarbeiter beim Eintippen der Ware auf dem Transportband vor Speichelflug und somit vor der Infektion mit dem Virus schützen sollen. Mittlerweile hat auch die Taxibranche reagiert und ähnliche Systeme in ihren Fahrzeugen installieren lassen.

Durch die neue Schutzscheibe in ihrem Fahrzeug fühlt sich Taxi-Fahrerin Carmen Bihler vom Mühlacker Unternehmen Bacher sicherer an ihrem Arbeitsplatz. Und auch die Fahrgäste sind nun besser geschützt. Foto: Hepfer/Privat
Durch die neue Schutzscheibe in ihrem Fahrzeug fühlt sich Taxi-Fahrerin Carmen Bihler vom Mühlacker Unternehmen Bacher sicherer an ihrem Arbeitsplatz. Und auch die Fahrgäste sind nun besser geschützt. Foto: Hepfer/Privat

Zu den ersten Dienstleistern im Enzkreis, die für einen Speichel- oder Spuck-Schutz in den Autos gesorgt haben, zählt das Mühlacker Unternehmen Taxi Bacher. „Die Plexiglasscheibe bei mir im Taxi zwischen dem Fahrersitz und der Rückbank ist seit knapp zwei Wochen eingebaut“, erzählt Fahrerin Carmen Bihler, die sich dadurch sicherer fühlt als zuvor. „Im Gegensatz zu Busfahrern, bei denen es zumindest einen Sicherheitsabstand gibt, waren wir vorne am Lenkrad so gut wie ungeschützt und einem möglichen Speichelflug quasi ausgeliefert“, schildert die 51-Jährige und ist auch ihren Chefs für diese Sicherheitsmaßnahme dankbar.

 

Maßnahme für Mitarbeiter und Fahrgäste

„Wir haben überlegt, was man sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für unsere Fahrgäste tun kann, um sie vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen“, sagt Karina Bacher vom gleichnamigen Mühlacker Taxi-Unternehmen. Zuerst sei in der Sache zwar etwas Tüftelei nötig gewesen, gemeinsam mit der Pforzheimer Firma Neon-Nagel habe man dann aber ein tragfähiges Konzept für nicht splitternde Schutzscheiben im Taxi entwickelt, das in dieser Form auch vom TÜV akzeptiert worden sei. Wie Karina Bacher berichtet, wurden in den dreizehn Fahrzeugen ihrer Flotte, die derzeit noch in Betrieb sind, entsprechende Schutzsysteme für 60 bis 80 Euro pro Stück installiert. Zusätzlich habe man außen an den Taxis Hinweise für die Passagiere angebracht. Und falls der Schulbetrieb wieder beginnen sollte, könne man gegebenenfalls weitere Fahrzeuge schnell nachrüsten, sagt sie. Weil die „Laufkundschaft“ etwa am Mühlacker Bahnhof wegen des Ausnahmezustands weggebrochen sei, gelte es nun wenigstens über Krankenfahrten etwas Umsatz zu generieren, damit das Unternehmen mit seinen rund 80 Mitarbeitern überleben könne.

 

Autor: Peter Hepfer und  Anke Baumgärtel

 

 

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Im Einsatz: „Mein Taxi ist immer da, wo ich bin“

Im Einsatz: Taxiunternehmer müssen ihre Betriebe durch die Krise steuern – Beispiel: der Familienbetrieb Taxi Bacher in Pinache

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 5. Mai 2020, 00:00 Uhr

Im Einsatz: „Mein Taxi ist immer da, wo ich bin“ „Bitte hinten einsteigen!“

„Mein Taxi ist immer da, wo ich bin“, sagt Karina Bacher und macht auf diese Weise deutlich, wie sehr der Beruf ihr Leben und das ihrer Familie prägt. Die Corona-Krise hat vieles verändert; die Personenbeförderung ist zu einer besonderen Herausforderung geworden.

 

Wiernsheim-Pinache. Karina Bacher geborene Leibold stammt aus einer Familie von Taxifahrern. Die 59-Jährige fuhr bereits bei ihren Eltern Taxi. 1980 heiratete sie Michael Bacher.

Taxi Bacher mit Sitz in Pinache kann auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblicken. Die Firmengründer Erwin und Hannelore Bacher kauften sich 1966 das erste eigene Auto, nachdem sie 1964 den Taxibetrieb von der Fahrschule Reinhardt (Mühlacker) übernommen hatten. Die Zahl 66 steht noch heute auf den Kennzeichen der 35 Fahrzeuge des Unternehmens, das mittlerweile in zweiter Generation geführt wird. Inhaber Michael Bacher kann dabei nicht nur auf Ehefrau Karina zählen, auch die beiden Söhne Marcel und André sind in das Geschäft eingestiegen. Tochter Monique springt bei Bedarf ein.

Von den 35 Fahrzeugen der Flotte sind aktuell nur noch 13 angemeldet, für einige Mitarbeiter musste Kurzarbeit angemeldet werden, denn in der aktuellen Situation ist Taxi Bacher die Kundschaft weggebrochen. „Wir haben so gut wie keine Laufkundschaft mehr“, so Inhaber Michael Bacher, der auf geschlossene Gaststätten und Clubs und gestrichene Veranstaltungen verweist. Auch die Beförderung von Kindern mit Behinderungen kann derzeit nicht stattfinden. Sohn André schätzt, dass noch ein Drittel der Fahrten absolviert wird. So halten neben Kurierfahrten unter anderem für das Unternehmen Daimler und Auslieferungstouren für einen Bäcker vornehmlich die Fahrten zum Arzt und zum Krankenhaus den Betrieb am Laufen. Bei den Dialysepatienten und Chemo- und Strahlenpatienten handelt es sich in der derzeitigen Lage um hochgradig gefährdete Menschen. Die allerdings sind in einem Bacher Taxi bestens aufgehoben.

„Wir haben einen Spuckschutz, und wir tragen Mundmasken sowie Handschuhe“, erklärt Karina Bacher und zeigt zudem auf das Desinfektionsspray, das nach jeder Fahrt zum Einsatz kommt. Die Trennscheibe zum Fahrgastraum hat Schwiegertochter Tina Nagel-Bacher von Neon-Nagel in Pforzheim zunächst eigens für das Pinacher Taxiunternehmen entwickelt. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, berichtet Karina Bacher, dass mittlerweile Anfragen aus ganz Deutschland vorliegen.

Sämtliche Bacher-Taxis sind inzwischen mit der Plexiglasscheibe ausgestattet, die im Innenraum die Rückbank von den vorderen Sitzen abtrennt. Das gibt nicht nur Taxifahrerin Karina Bacher Sicherheit, auch der Fahrgast wird geschützt. „Bitte hinten einsteigen!“, steht auf dem Hinweisschild, das aktuell auf der vorderen Beifahrertür klebt. „Unsere Fahrgäste sitzen alle hinten“, so Karina Bacher, die berichtet, dass das Geld für die Tour mit Abstand auf die Armlehne gelegt wird.

Dennoch bleibt für sie und ihre Kollegen ein Restrisiko, schließlich muss sie ihren kranken Patienten beim Ein- und Aussteigen helfen. Zwar trägt jeder Mundschutz, dennoch besteht die Gefahr einer Infektion. „Wir gehen davon aus, dass diese Fahrgäste kein Corona haben. Das ist Vertrauen gegen Vertrauen“, betont Karina Bauer und fügt hinzu, dass schließlich alle im selben Boot säßen. Die Fahrten zur lebensnotwendigen Dialyse auszusetzen, kommt für die Pinacherin nicht infrage.

Mit dem in den Autos eingebauten Spuckschutz sei alles viel besser geworden. „Vorher war die Angst ein ständiger Begleiter.“ Zumal es auch bei anderen Fahrten im Taxigeschäft derzeit zu kniffligen Situationen kommen kann – wenn sich zum Beispiel ein Gast mit Grippe-Symptomen zum Arzt fahren lässt.

Doch Karina Bacher und ihre Familie lassen sich von der Angst nicht lähmen. Sie genießt die gewonnene Zeit, fährt nach Jahren wieder Fahrrad, und an das Osterfest wird sie sich noch lange erinnern. Das Telefon blieb still, niemand bestellte ein Taxi, und so feierte die Familie Bacher so, wie es in anderen Familien selbstverständlich ist – ohne ein ständiges Kommen und Gehen. Da hätten sich selbst Nachbarn gewundert: „Dass ihr amol dahoim seid …“